Foto: Nils Laengner

City-Check: Münster

Münster gilt als Fahrradhauptstadt Deutschlands. Doch selbst im Paradies ruht man sich nicht auf den Lorbeeren aus, sondern brütet an neuen Ideen.

Nach einem Sonnentag ruht die Warendor­fer Straße in Münster unter dem blau­­weißen Himmel. Auf dem Radweg zwischen Cafés und geparkten Rädern geht es entspannt zu. Henne Hüttepohl steht am Cinema und plaudert mit ein paar Freunden. Der Radsportler wartet auf Einlass zu „Time Trial“. In der Dokumentation geht es um David Millar. Der englische Radprof ist eine Legende. Ein paar Meter neben der Kinokasse
schließt Simon Chrobak den Veranstaltungsraum auf. Um einen Buchenholztisch diskutiert eine Gruppe von Frauen und Männern. Rennsport steht bei ihnen nicht oben auf der Agenda. Chrobak ist Aktivist. Zusammen mit der Initiative Fahrradstadt Münster will er, dass seine Stadt sich dreht. Am besten noch runder.

Münster gilt als die Fahrradhauptstadt Deutschlands. Kaum eine andere Stadt verfügt über ein derart gut ausgebautes Radwegenetz und so viele spezielle Angebote rund ums Rad. Das Fahrrad ist das meistgenutzte Verkehrsmittel. Tag für Tag sind in Münster über 100.000 Menschen mit dem Rad unterwegs, gut 40 Prozent aller Strecken werden im Sattel zurückgelegt, das ist Rekord unter den großen Städten im Land. Auch für Lina Lippke ist Radfahren hier selbstverständlich geworden: „Es gehört in Münster einfach dazu. Mit dem Bus bin ich immer länger unterwegs.“ Die Studentin für soziale Arbeit erinnert sich, dass sie sich früher nicht so selbstverständlich auf den Fahrradsattel geschwungen hat: „Die Male, die ich bis vor acht Jahren per Rad zur Schule gefahren bin, kann ich an zwei Händen abzählen.“ Gerade braucht sie wieder beide Hände, um sicher den Kreisverkehr am Ludgeriplatz zu befahren. Der Kreisel gilt als notorisch unfallträchtig. Das wissen auch Chrobak und die in dem kleinen Raum Versammelten. „Die Infrastruktur ist bei dem heutigen Verkehrsaufkommen weit über dem Limit“, sagt der Sportwissenschaftler, „während es erklärtes Ziel der Stadt ist, den Radverkehrsanteil weiter zu erhöhen.“ Die Quadratur des Kreises. Denn die Flächen sind begrenzt.

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