Foto: nextbike

Miet-Bikes: Wo geht die Reise hin?

In Schanghai gibt es 450.000 Leihfahrräder. In München reichte schon ein Prozent dieser Menge aus, um einen Radkollaps zu verursachen. Dennoch: Bike-Sharing ist eine gute Idee, an der nichts vorbeiführt. Sie muss nur richtig umgesetzt werden. KARL vergleicht Anbieter und Konzepte.

Es begann im August 2017: Über Nacht wurde die bayerische Landeshauptstadt mit Fahrrädern geflutet. Vielleicht sollte man besser sagen: Die Räder wurden über die Stadt ausgekippt. Und irgendwann hingen sie dann an Verkehrsschildern, versperrten Einfahrten, „Spaßvögel“ warfen sie in die Isar oder in große Müllcontainer, die zum Entleeren am Straßenrand standen. 5.000 bis 7.000 Stück sollen es gewesen sein, niemand weiß das genau, wahrscheinlich nicht mal der „Lieferant“ selbst. Die Firma Obike hatte diesen Großangriff auf die beiden
etablierten deutschen Verleihfrmen Nextbike und Callabike, einer Tochter der Deutschen Bahn, mit einer Mietrad
schwemme begonnen. Die Misserfolgsgeschichte von Obike ist mittlerweile bekannt, sie endete jetzt im heißen deutschen Sommer mit der Pleite des in Singapur registrierten Unternehmens. Auch wenn die Firma versuchte, die Situation herunterzuspielen und per Pressemitteilung versicherte, die Insolvenz in Asien
habe keine Auswirkungen auf die europäischen Standorte und Kunden müssten keine Angst haben, dass sie ihre hinterlegte Kaution (79 Euro bei Erstregistrierung) nicht erstattet bekämen. Gleichwohl aber ist Obike unerreichbar, auch für Vertreter der Kommunen. Florian Paul, Radverkehrsbeauftragter der Stadt
München, kritisierte gegenüber KARL, dass „seit April absolute Funkstille herrscht. Wir erreichen keinen Ansprechpartner mehr bei Obike.“ In Hamburg, das Obike ebenfalls mit Rädern überschüttete, wurde im August ein Großteil
der 10.000 Mieträder aus Fernost für 69 Euro pro Stück verscherbelt. Außer den Fahrrädern in Hamburg bleiben aber mehr als 20.000 weitere Leihräder in ganz Deutschland und den Niederlanden zurück. Was mit denen passieren wird, weiß niemand.

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